Julia Büchele: Ein Expat kommt selten allein - Die Rolle mitausreisender PartnerInnen bei Auslandsentsendungen nach Kampala/Uganda

PhD-project, African Studies, University of Basel

Das Doktoratsprojekt hat zum Ziel, die Lebenswelten, Rollen und Erfahrungen mitausreisender PartnerInnen in Uganda zu untersuchen. Die Studie soll genderspezifische Rollenerwartungen beleuchten und die Themenbereiche Organisation, Migration und Elite verknüpfen.

Hintergrund und Relevanz

Zahlreiche Organisationen der Entwicklungszusammenarbeit, des diplomatischen Dienstes und (transnationale) Unternehmen entsenden Mitarbeitende in unterschiedliche Länder. In vielen Fällen reisen Fachkräfte mit ihren EhepartnerInnen bzw. ihren Familien aus. Obwohl in den meisten Publikationen zum Thema einstimmig betont wird, dass mitausreisende Familienmitglieder für den Erfolg von Auslandsentsendungen massgeblich entscheidend sind, finden sie kaum Beachtung in der Forschungsliteratur. Sie kommen hauptsächlich in Internetforen und Ratgebern zu Wort. Dort werden ihre Probleme und Herausforderungen erörtert und konkrete Tipps zum Umgang mit fremden Gepflogenheiten, Hausangestellten u.ä. weitergereicht. Stereotype und Vorannahmen über die Typologie und Bedürfnisse dieser Personengruppe als auch über Kulturen diverser Gastländer sind auffallend. Daneben wird die Diskussion um die Interessen ausländischer Investoren, NGOs und Geberländer in Afrika meist auf der Ebene von Legitimität und Wirksamkeit der einzelnen Projekte geführt. Es darf dabei nicht ausser Acht gelassen werden, dass diese Akteure auch grosse Arbeitgebende sind, die Fachkräfte und deren Familien zu den Projekten und Missionen vor Ort entsenden. Sowohl die Arbeitnehmenden als auch die Mitausreisenden sind einerseits eng an die Entsendeorganisation gebunden und gestalten andererseits über Jahre hinweg ihr Leben im Ausland, schicken ihre Kinder vor Ort zur Schule und nutzen die Freizeit- und Konsumangebote im Land. Von grossem Interesse ist daher, die Rolle und die Alltagswelten der Mitausreisenden im Kontext der entsendenden Organisationen und der „expat community“ vor Ort zu untersuchen.

Fragestellungen

Das Dissertationsprojekt geht der Frage nach, welche AkteurInnen hinter der passiv anmutenden Bezeichnung „mitausreisende PartnerInnen“ stecken, welchen Tätigkeiten sie nachgehen, welche Rolle sie in den (informellen) Netzwerken der „expat community“ einnehmen und wie sie ihre Lebenswelten gestalten. Dabei sind insbesondere die Rahmenbedingungen der Ausreise und des Aufenthaltes von Interesse. Nicht ausser Acht gelassen werden dürfen mögliche Abhängigkeitsverhältnisse in welchen mitausreisende PartnerInnen sowohl zur Entsendeorganisation als auch zu ihren (von der Organisation angestellten) PartnerInnen stehen (vgl. Hindman 2007: 158f und 165f). Nicht zuletzt ist die Frage nach dem Verhältnis mitausreisender PartnerInnen zum Gastland zu klären. Gibt es beispielsweise Personengruppen, mit welchen sie sich identifizieren, fühlen sie sich „fremd“ und welche Identitätsaspekte werden in den Vordergrund gestellt?

Fallstudie

In zwei bis drei mehrwöchigen Forschungsaufenthalten soll mittels narrativen und leitfadengestützten Interviews die Perspektive und das Selbstverständnis der oben genannten Personengruppe in den Fokus gerückt werden. Die Erfahrung mitausreisende PartnerIn zu sein wird mittels einem phänomenologischen Ansatz beleuchtet. Teilnehmende Beobachtung - etwa durch die Mitarbeit in Hilfsprojekten der International Women’s Organization (IWO) in Kampala -  kann Aufschluss über das Selbstverständnis, die Tätigkeiten und die Rolle mitausreisender PartnerInnen geben.